Hoffnung ist kein Trostpflaster, sondern eine Kraftquelle
Mit dem ersten Sonntag nach dem Aschermittwoch, beginnt die Passionszeit – eine rund 40‑tägige Phase, in der wir bewusst langsamer werden sollten und uns innerlich auf Ostern vorbereiten. Diese Wochen sollen keine düstere Trauerphase, sondern ein Raum zum Durchatmen und Neuwerden sein. Eine Gelegenheit, ehrlich auf das eigene Leben zu schauen, Gewohnheiten zu überdenken und kleine Schritte zu setzen, die Hoffnung wieder wachsen lassen. Die Passionszeit lädt uns ein, mutig mit unseren Ängsten und Hoffnungen umzugehen und uns neu auf Ostern auszurichten, dem Fest das von neuem Leben erzählt.
Die Passionszeit lädt uns ein, innezuhalten, uns neu auszurichten und zu fragen: Was gibt mir Zuversicht? Was trägt meinen Glauben? Pfarrer Volker Kramer hat uns am Sonntag, dem 22. Februar 2026, mitgenommen auf eine Reise – geografisch, geistlich und menschlich. Mitten im Alltag, zwischen Nachrichten, Herausforderungen und persönlichen Sorgen, hören wir Worte, die kaum zu glauben scheinen. Worte wie:
…. und Gott wird abwischen alle Tränen von ihren Augen, und der Tod wird nicht mehr sein, noch Leid noch Geschrei noch Schmerz wird mehr sein…
Pfarrer Kramer lädt uns ein, diese Vision nicht vorschnell abzutun. Sie ist kein billiger Trost. Sie ist ein Gegenbild zur Realität, ein Hoffnungsraum, der uns aufrichten soll. Visionen, so erinnert er, sind nicht Flucht, sondern Kraftquelle und zitiert Dorothee Sölle[1], die sagte:
Ohne Vision gäbe es keinen Glauben.
Er erzählt von einer Sitzung seines Kirchenkreises, in der wissenschaftliche Daten vorgestellt wurden. Daten, die zeigen, dass weltweit extreme Armut massiv zurückgeht, mehr Menschen Zugang zu medizinischer Versorgung haben oder z.B. auch Frauenrechte global wachsen.
Viele der Zuhörer im Kirchenkreis reagierten skeptisch – so wie wir alle oft skeptisch sind, wenn etwas zu gut klingt. Doch die Zahlen stimmen. Und sie erinnern uns daran, dass unsere Wahrnehmung oft auf das Negative geeicht ist. Wir übersehen das Gute, das wächst – leise, stetig, hoffnungsvoll.

Genau dort setzte seine Predigt an. Wie hören wir solche Verheißungen? Mit Skepsis? Mit einem inneren Augenrollen? Oder mit der leisen Sehnsucht? Ich würde es ja gerne glauben! Pfarrer Kramer sprach aus, was viele denken. Es fällt uns schwer, an gute Nachrichten zu glauben – selbst dann, wenn es sie tatsächlich gibt.
Er erzählte von aktuellen Entwicklungen, die zeigen, dass weltweit extreme Armut sinkt und Rechte wachsen. Und trotzdem bleibt unser Blick oft am Negativen hängen. Warum eigentlich?
Er stellt eine einfache, aber tiefgehende Frage:
Was gibt mir Zuversicht, was trägt meinen Glauben?
Und er spricht offen aus, was viele kennen. Wir wünschen uns Vertrauen, Zuversicht, Glaubensgewissheit – aber – wie finden wir sie und zitiert einen Text aus seinem Fastenkalender:
Die Hoffnung ist ein wildes, schönes Stück… Sie ist immer hungrig.“
Wie finden wir das, was uns Zuversicht gibt? Pfarrer Kramer führte uns von der rauen Wirklichkeit unserer Ängste und Sorgen zu einer großen, tröstenden Vision: „Siehe, ich mache alles neu.“ Diese Zusage klingt groß, um sie sofort zu fassen, und doch bleibt sie nicht bloß ein frommer Satz.
Sie ist ein Angebot, das unsere Wahrnehmung verändern will. Visionen sind nicht Flucht, sondern Kraftquellen, die uns helfen, das Gute zu sehen, das oft leise wächst, und die uns motivieren, selbst Hoffnung zu zu finden.
Hoffnung ist kein Automatismus. Hoffnung ist kein Dauerzustand, sondern etwas Lebendiges. Etwas, das gepflegt werden muss. In einem poetischen Bild beschrieb er sie als „ein wildes, schönes Stück… sie ist immer hungrig.“ – nicht makellos, nicht unverwundbar, aber kraftvoll. Hoffnung will gefüttert werden. Durch Gebet. Durch Lieder. Durch Rituale. Durch das bewusste Erinnern an Gottes Zusage, auch wenn der Augenschein widerspricht.
Glaube braucht Übung. Nicht als Pflichtprogramm, sondern als Training des Herzens. Wer sich immer nur von Schlagzeilen und Sorgen bestimmen lässt, verliert leicht die innere Perspektive. Wer sich aber regelmäßig Gottes Wort aussetzt, wer singt, betet, sich erinnert, der schafft Raum für eine andere Sicht. Eine Sicht, die Leid nicht leugnet, aber ihm nicht das letzte Wort gibt.
Mit einer einfachen Geste – der Lotus‑Blüte, die jeder leicht nachmachen kann – lud er dazu ein, das, was uns bewegt, bewusst vor Gott zu öffnen und ihm hinzuhalten. Sorgen, Menschen, Hoffnungen. Nicht festklammern, sondern öffnen. Vielleicht ist genau das der Schlüssel. Hoffnung wächst nicht, wenn wir sie erzwingen, sondern wenn wir sie Gott anvertrauen.

Pfarrer Volker Kramer hat uns eingeladen hinzusehen, wo Gutes wächst, unsere Hoffnung zu pflegen, Gottes Vision ernst zu nehmen, und uns gegenseitig zu stärken.

In einer Welt voller Herausforderungen erinnert er uns daran, dass Glaube nicht naiv ist – sondern erfüllend. Dass Hoffnung nicht weltfremd ist – sondern lebensnotwendig. Und dass Gott uns zusagt: „Ich mache alles neu.“
Kein Vertrösten auf das Jenseits, sondern eine Einladung, die Gegenwart anders zu sehen. Die Passionszeit wird so zu einer Schule der Wahrnehmung. Nicht nur sehen, was fehlt – sondern auch sehen, was schon wächst.

Wir danken Pfarrer i.R. Volker Kramer sehr herzlich für die Zeit, die er als Urlaubsseelsorger in unserer Region verbracht hat. Mit seinen meditativen Angeboten im Schigebiet am Nassfeld, den offenen Begegnungen im „Café mit Gott und der Welt“ und den liebevoll gestalteten Gottesdiensten in Hermagor, Watschig und Weißbriach hat er unsere Gemeinden auf besondere Weise begleitet und bereichert. Seine ruhige, zugewandte Art und seine spirituelle Tiefe haben gutgetan.

[1] Dorothee Sölle (1929–2003) war eine deutsche evangelische Theologin, Schriftstellerin und politische Aktivistin. Sie verband christliche Mystik mit gesellschaftskritischem Enga-gement, trat entschieden für Frieden, Gerechtigkeit und Befreiungstheologie ein und ver-stand Glauben als praktischen Widerstand gegen Unrecht und Leid. Quelle: Wikipedia


