Klangräume des Advents: Nähe, Freude, Gemeinschaft
Am 14. Dezember 2025 verwandelt sich die Schneerosenkirche erneut in jenen besonderen Konzertsaal, den man weder mit Verona, der Staatsoper noch der Wiener Stadthalle tauschen möchte 😉. Denn hier, im warmen Klangraum unserer Kirche, entsteht etwas ganz Eigenes: Nähe, Freude, Gemeinschaft – und eine musikalische Qualität, die beeindruckt und berührt.
Mit den Worten „Zeit für Liebe, Zeit für Nähe, Zeit für Frieden“ beginnt dieser adventliche Nachmittag. Schon die ersten Töne der Stadtkapelle Hermagor öffnen den Raum und stimmen uns ein. Viele junge Musikerinnen und Musiker stehen im Rampenlicht – ein sichtbares Zeichen lebendiger Hoffnung und wachsender Zukunft. Ihre Hingabe, ihre Freude am Musizieren erfüllen die Kirche mit einem Klang, der trägt.


Der Gemischte Chor Hermagor führt diese Stimmung weiter. Ruhig, erwartungsvoll, von jener adventlichen Tiefe, die uns innehalten lässt. Der Chor schenkte der Adventszeit jene ruhigen, getragenen Momente, die leichter machen und uns wieder hören lassen. Musik öffnet, was Worte allein nicht zu öffnen vermögen. Draußen liegt klare Winterkälte über dem Tal, ein Hauch von Schnee auf den Bergen – drinnen wächst die stille Gewissheit, dass Weihnachten näher rückt.
Besonders eindrucksvoll wird es, als Chor und Stadtkapelle gemeinsam musizieren. „Christmas Night“ und die Trilogie „Bethlehem“ erzählen die Geschichte der Heiligen Nacht – getragen von Stimmen, Instrumenten und den meditativen Texten von Benedikt Obersteiner. Bethlehem, die kleine Stadt am Rand der Weltgeschichte, wird zum Symbol. Hier begegnen sich Menschen auf Augenhöhe, hier wird Hoffnung geboren.

Die Trilogie „Bethlehem“ erzählt von Weg – Begegnung – Verwandlung. Sie stammt aus der Feder des österreichischen Komponisten Thomas Asanger, der für seine atmosphärischen, erzählerischen und liturgisch geprägten Werke bekannt ist. Sie macht hörbar, warum gerade dieser unscheinbare Ort Bedeutung erlangt hat: weil hier Gott durch Jesus Christus leise zur Welt kommt und den Menschen einlädt, sich berühren zu lassen. In der Verbindung von Chor und Blasorchester wird diese Botschaft besonders eindrucksvoll – kraftvoll und zugleich zutiefst menschlich.
Der Stern von Bethlehem, so hören wir, ist mehr als ein Himmelskörper. Er ist Sehnsucht, Frieden, Orientierung. Ein Licht, das Menschen sammelt, ohne Macht auszuüben. Ein Licht, das auch an diesem Nachmittag in der Schneerosenkirche spürbar wird.
Zum Abschluss erfüllt der Andachtsjodler den Raum – getragen von Stadtkapelle und Gemischtem Chor, die in diesem gemeinsamen Klang eine Atmosphäre schaffen, in der Stille, Heimatgefühl und Nähe spürbar werden.

Der Andachtsjodler ist ein überliefertes Volkslied, das sich über Generationen entwickelt hat. Seine heutige Form entstand vermutlich Ende des 18. oder Anfang des 19. Jahrhunderts. Der Andachtsjodler ist ein Lied, das Herzen öffnet, ohne eine einzige Zeile Text zu benötigen. Er trägt die Sehnsucht der Hirten, die Stille der Heiligen Nacht, die Nähe Gottes, die im Einfachen und Unscheinbaren spürbar wird. Gerade deshalb ist er zu einem der innigsten Advents- und Weihnachtsjodler des Alpenraums geworden.
Unsere Pfarrerin, Veronika Ambrosch, sendet uns schließlich mit ihrem Segen in die kommenden Tage – und die Klänge dieses Nachmittags gehen mit uns, als leise Begleiter voller Hoffnung und Freude, die unseren Alltag wärmer und heller machen.
Danach bleibt Zeit zum Zusammenstehen, zum Reden, zum Teilen. Advent im besten Sinn.
Einen besonderen Dank an die Sängerinnen und Sänger sowie an die Musikerinnen und Musiker, die dieses Adventkonzert zu einem Moment gemacht haben, in dem die mit der Geburt Christi verbundene Fröhlichkeit und die hoffnungsvolle Erwartung eindrucksvoll spürbar wurden und dessen Darbietungen von den Besucherinnen und Besuchern trotz der Stille dieser Zeit mit stehendem Applaus gewürdigt wurden. Ein Zeichen dafür, dass Besinnlichkeit und Freude einander nicht ausschließen, sondern sich in der Harmonie von adventlicher Ruhe und lebendiger Musik gegenseitig vertiefen, Herzen öffnen und Mut schenken.

Ein herzlicher Dank gilt der Stadtkapelle Hermagor unter der Leitung von Hans Grolitsch und Verena Grolitsch, dem Gemischten Chor Hermagor unter seiner Dirigentin Sonja Prugger, allen Mitwirkenden, Organisierenden und Unterstützenden – und Ernst Wieser für die Gestaltung des Plakates.
Seit ihrer Gründung 1956 als Blasmusikverein Vellach und der Erhebung zur Stadtkapelle Hermagor im Jahr 1968 ist die Kapelle ein Herzstück des kulturellen Lebens im Gailtal. Unter der Leitung von Verena Hartog, Hans Grolitsch und Obmann Benedikt Obersteiner vereint sie heute rund 25 Musikerinnen und Musiker, die mit Leidenschaft und Gemeinschaftssinn auftreten.
Der Gemischte Chor Hermagor wurde 1861 gegründet und ist damit der älteste Chor im Gailtal. Heute zählt er rund 40 Sängerinnen und Sänger, die mit viel Freude, Herz und regionaler Verbundenheit gemeinsam musizieren. Unter der Leitung von Sonja Prugger präsentiert der Chor ein abwechslungsreiches Repertoire – von Kärntnerliedern über internationale Chormusik bis hin zu modernen Arrangements. Der Chor arbeitet projektbezogen, wodurch auch neue oder junge Stimmen leicht einsteigen können. Mit seinen Frühlings- und Adventkonzerten sowie Auftritten bei kirchlichen und kulturellen Veranstaltungen ist der Gemischte Chor Hermagor ein wichtiger Pfeiler des musikalischen Lebens der Region.









