Im Angesicht des Unrechts Andacht gegen das Schweigen

Nicht stumm bleiben – jedes Opfer ist ein Ruf

In der Schneerosenkirche vereinten evangelische Frauenarbeit, katholische Frauenbewegung und der Soroptimist Club Hermagor ihre Stimmen – ein Zeichen, dass Glaube, Solidarität und Verantwortung gemeinsam Hoffnung schenken und gegen Gewalt aufstehen.

Mit den Worten Dietrich Bonhoeffers begann die Andacht in der Schneerosenkirche: „Von guten Mächten wunderbar geborgen, erwarten wir getrost, was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag.“

Dieses Lied, in Zeiten der Bedrängnis geschrieben, wurde zum Gebet des Abends – ein Gebet, das Schmerz und Hoffnung miteinander verbindet.

Im Jahr 2025 verloren in Österreich 15 Frauen durch Gewalt ihr Leben. Hinter jeder Zahl steht ein Name, ein Alter, ein Schicksal – ein ausgelöschtes Leben. Vor dem Altar erinnerten 15 Stühle mit brennenden Lichtern an diese Frauen. Zwei weitere Stühle gaben jenen Raum, deren Tod erst heuer ans Licht kam. Sie waren Zeichen der Würde, der Erinnerung und des Aufrufs, nicht zu schweigen.

Wir dürfen nicht stumm bleiben – denn nur gemeinsam können wir das Schweigen brechen und Hoffnung gegen Gewalt sichtbar machen.

Erinnerung ist Auftrag. Jede Kerze, jeder Stuhl, jedes Schicksal ruft uns ins Handeln – für eine Welt ohne Gewalt, für eine Gesellschaft, in der Leben geschützt und Würde geachtet wird.

Die Fürbitten dieser Andacht waren wie ein Chor aus vielen Stimmen:

So wurde die Schneerosenkirche an diesem Abend zu einem Ort der Klage und der Hoffnung, der Erinnerung und des Auftrags. Ein Ort der Stärke und des Miteinanders – und der Aufruf, das Schweigen zu brechen und für das Leben einzutreten. Ein Ort, an dem Nähe und Solidarität spürbar wurden. Ein Raum voller Verbundenheit – und der klaren Stimmen.