Im Einklang mit dem Augenblick.
Manche kulturelle Abende gehen weit über das hinaus, was Worte allein beschreiben können. Das Konzert des Cantus Carinthae in der Schneerosenkirche, am Freitag, dem 12. Juni 2026, wurde zu einem solchen besonderen Moment. Getragen von Musik, Besinnung und einer tiefen Sehnsucht nach Trost, Orientierung und Verbundenheit.
Die Leitfrage „Wohin soll ich mich wenden?“ zog sich wie ein stiller roter Faden durch den gesamten Abend. Zwischen Chorwerken, Gebet und persönlichen Gedanken von Pfarrerin Veronika Ambrosch, entstand ein Raum, in dem Unsicherheit, Trauer, Hoffnung und Zuversicht ihren Platz haben durften.
Hoff, oh du arme Seele, hoff und sei unverzagt! Gott wird dich aus der Höhle, da dich der Kummer plagt, mit großen Gnaden rücken; erwarte nur die Zeit, so wirst du schon erblicken die Sonn der schönsten Freud.
Befiehl Du Deine Wege, 6. Strophe, EG 361: Paul Gerhardt war ein deutscher evangelisch-lutherischer Geistlicher und Theologe. Er gilt als einer der bedeutendsten deutschsprachigen Kirchenlieddichter. (Quelle: www.evangeliums.net)
Gerade in einer Zeit, die von Krisen, Brüchen und vielen offenen Fragen geprägt ist, wurde spürbar, dass Musik aufrichten kann, Glaube tragen kann und Gemeinschaft Wege öffnen kann, wo Worte allein nicht ausreichen.
Es ist in uns ein‘ Sehnsucht, die Gott alleine kennt! Es ist ein‘ große Sehnsucht, die er beim Namen nennt! Sie ist ein Blümlein zart, mitten in Leid und Elend und wenn das Leben hart!
Die Sehnsucht, die ich meine, davon ich heute sing. Sie macht, dass ich auch weine, in meinem Herzen drin! Sie kommt aus ihm heraus – ist Hoffnung, neues Leben, vom toten Baum heraus!
Das Röslein, so kleine, das trotzt dem wen’gen Licht. Mit seinem hellen Scheine vertreibt’s die Finsternis. Es ist die Sehnsucht groß, hilft uns aus manchem Leide, rettet von Sünd‘ und Tod.
O Jesu, bis zum Scheiden aus diesem Erdental, lass dein Hilf uns geleiten bis in den Freudensaal, in deines Vaters Reich, da wir dich ewig loben: Denn Jesus macht uns neu!
Text: Maga.Veronika Ambrosch, Pfarrerin, Hermagor, Musik Michael Praetorius. Für Chöre ist Michael Praetorius vor allem durch seine kunstvollen Choralsätze und Weihnachtslieder bekannt.
Im Mittelpunkt stand Franz Schuberts Deutsche Messe[1]. Ein Werk, die Musik stammt aus der Feder von Johann Philipp Neumann[2], das auch heute nichts von seiner Kraft verloren hat und Fragen berührt, die Menschen damals wie heute bewegen.
Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr Schuberts Sanctus (Verehrung Gottes) zeichnet sich durch eine feierliche, weit gespannte Melodie und warme Harmonien aus, die den liturgischen Ruf „Heilig“ in eine schlichte, eindringliche Klangsprache übersetzen. In der Interpretation von Cantus Carinthiae, unter der Leitung von Prof. Hans Hubmann, entfaltet dieser Satz seine besondere Wirkung im stimmungsvollen Ambiente der Schneerosenkirche.
Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er! Er, der nie begonnen, Er, der immer war, ewig ist und waltet, sein wird immerdar.
Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr! Heilig, heilig, heilig, heilig ist nur Er! Allmacht, Wunder, Liebe, alles rings umher! Heilig, heilig, heilig, heilig ist der Herr!
So wurde dieser Abend zu mehr als einer Aufführung. Er war Einladung zum Innehalten, zum Hinhören und zum Neuvertrauen. Was bleibt, ist die Erfahrung eines Miteinanders, das über Konfessionen hinaus verbindet, und die leise, aber kraftvolle Hoffnung, dass selbst in fragilen Zeiten Licht aufscheinen kann.
Am Ende des Konzertes sprach Pfarrerin Veronika Ambrosch einen eindrucksvollen Segen, der die Besucherinnen und Besucher mit einer tiefen Hoffnungsperspektive in den Abend entließ. In bewegenden Worten bat sie darum, dass das Gute stärker werde als das Böse, dass Freude Traurigkeit verdränge, Missverständnisse heilen und Enttäuschte neuen Mut finden. Sie gedachte der Kranken und Sterbenden, bat um Trost und Erbarmen und erinnerte an die Verantwortung für eine gerechte Welt und den Frieden – im eigenen Herzen wie auf der ganzen Erde.
Doch warnend spricht der Heil’ge Mund: „Nicht frommt der Glaub‘ allein, nur die Erfüllung eurer Pflicht kann Leben ihm verleih’n“. – Drum gib ein gläubiges Gemüt! Und gib uns auch, oh Gott, ein liebend Herz, das fromm und treu stets folget dem Gebot!
Zum Evangelium und Credo, 3. Strophe (Deutsche Messe)
In der sanften Abenddämmerung vor der Schneerosenkirche, im Übergang vom Tag zur Nacht, entstand ein gemütlicher und entspannter Abendausklang. Gespräche, Lachen, leise Nachklänge der Musik, begleitet von erfrischenden Getränken und einer Atmosphäre, die Gemeinschaft spürbar machte. Ein würdiger Abschluss eines Konzertes, das Herz und Seele berührt hat.


[1] Franz Schubert (1797–1828) zählt zu den bedeutendsten Komponisten Österreichs und gilt als Wegbereiter der musikalischen Romantik. Trotz seines kurzen Lebens, er wurde 31 Jahre alt, schuf er ein beeindruckendes Werk von zeitloser Schönheit, das durch seine berührenden Melodien und seine außergewöhnliche Ausdruckskraft bis heute Menschen auf der ganzen Welt bewegt (600 Lieder, zahlreiche Chorwerke, Klavierstücke, Kammermusikwerke und Sinfonien). Mit Werken wie der Deutschen Messe hinterließ er ein musikalisches Vermächtnis, das Glauben, Hoffnung und Menschlichkeit auf einzigartige Weise zum Klingen bringt. (Quelle: Wikipedia)
[2] Johann Philipp Neumann (1774–1849) war ein österreichischer Physiker, Lehrer, Schriftsteller und Dichter. Er wirkte als Professor für Physik am Wiener Polytechnischen Institut und war zugleich literarisch tätig. Heute ist er vor allem als Verfasser geistlicher Texte bekannt, die von bedeutenden Komponisten vertont wurden. Besondere Bedeutung erlangte Neumann durch die Texte zur Deutschen Messe von Franz Schubert. Sein Anliegen war es, den Gottesdienst für die Gläubigen durch deutschsprachige, leicht verständliche Texte zugänglicher zu machen. Schubert vertonte diese Texte 1827 und schuf damit eines der beliebtesten geistlichen Werke des deutschsprachigen Raums. (Quelle: Wikipedia)

















