Ein Dorf feiert Glauben

Gemeinsam. Ökumenisch. Lebendig

Ein herrlicher, warmer Herbsttag hat den ökumenischen Kirchtagsgottesdienst in Watschig umrahmt. Ein Tag, an dem spürbar wurde, was christlicher Glaube bedeutet. Gemeinschaft, die trägt. Glaube, der verbindet. Und ein Gott, der in jedem Menschen wohnt.

Pfarrer Reinhard Ambrosch und Dechant Andreas Tonka haben diesen besonderen Gottesdienst gemeinsam gefeiert. Getragen von vielen Besucherinnen und Besuchern aus den umliegenden Ortschaften, die den Dorfplatz in Watschig mit Leben, Freude und Glauben erfüllt haben.

Musikalisch wurde der Gottesdienst vom Musikverein Almrausch Mitschig begleitet. Die getragenen geistlichen Melodien – darunter das Sanctus aus der Deutschen Messe – ließen eine Atmosphäre entstehen, die Herz und Seele weit machte. Musik, die nicht nur erklang, sondern auch innerlich berührte.

Mit seiner Predigt richtete Pfarrer Reinhard Ambrosch neben allen anwesenden Kirchtagsbesuchern wohl auch ganz bewusst das Wort an die jungen Organisatorinnen und Organisatoren. Verbunden mit einem Dank dafür, dass sie mit ihrem Engagement Tradition lebendig halten, damit ein Stück Identität bewahren und zugleich jene wertschätzen, die vor ihnen den Grund dafür gelegt haben.

Mit seinem Bild der vier Himmelsrichtungen führte er hinein in einen Glauben, der Orientierung schenkt und zugleich mitten im Alltag lebendig wird.

Im Süden steht die Sonne hoch am Himmel. Sie schenkt Licht und Wärme. So ist auch das Gebet ein Ort, an dem wir uns Gott zuwenden dürfen. „Vor Gott dürfen wir aussprechen, was uns am Herzen liegt. Wir dürfen aufatmen und neue Kraft empfangen.“ Mit allem, was uns bewegt, dürfen wir zu Gott kommen – mit Sorgen und Fragen ebenso wie mit Dankbarkeit und Freude.

Der Norden gibt Orientierung. „So will auch Gottes Wort unserem Leben Richtung geben.“ Die Bibel stellt die großen Fragen unseres Lebens: Woher kommen wir? Wohin gehen wir? Was trägt uns? Wie sollen wir miteinander leben? Sie ist deshalb nicht nur ein Buch im Regal. Ihre Worte wollen uns begleiten, stärken und mitten im Alltag Orientierung geben.

Im Westen die Gemeinschaft. „Wir müssen unser Leben nicht allein bewältigen.“ Gemeinschaft bedeutet, miteinander zu feiern, einander zuzuhören, Freude und Leid zu teilen und füreinander da zu sein. Doch Gemeinschaft ist nicht nur ein Geschenk. Sie ist auch eine Aufgabe: „Wir sollen mit offenen Augen durch das Leben gehen, die Nöte anderer wahrnehmen und helfen, wo Hilfe gebraucht wird.“

Gerade darin wird christlicher Glaube sichtbar. Nicht nur füreinander da sein, sondern füreinander einstehen. Auch die Ökumene bekommt hier eine besondere Bedeutung. Aus einem früheren Gegeneinander wurde vielerorts ein Miteinander. Der nächste Schritt ist das Füreinander.

Im Osten steht das gemeinsame Mahl. Das Brotbrechen, bei dem Christinnen und Christen die Nähe Christi erfahren. Dabei wird Gottes Liebe spürbar. Wir bekommen Kraft und werden zugleich daran erinnert, diese Liebe weiterzugeben. Wir empfangen, um zu teilen. Wir werden gestärkt, um auch anderen Kraft zu geben.

Verbindet man die vier Himmelsrichtungen, entsteht ein Kreuz. Und damit wird sichtbar, was im Mittelpunkt steht – Jesus Christus. Er ist die Mitte unseres Glaubens und das Fundament der Kirche. Nicht unsere Leistung, nicht alte Gewohnheiten und auch nicht das Kirchengebäude machen Kirche aus, sondern der Glaube an Jesus Christus. Er ist es, der uns verbindet und zusammenhält.

Und schließlich gibt es noch das Dach. Unter freiem Himmel wird es zum weiten Himmelszelt über uns. Zum Bild für Gottes Segen. Ein schönes Bild. Wir gehen unsere Wege nicht ungeschützt und nicht alleine. Über unserem Leben spannt sich Gottes Segen wie ein großes Zelt.

Vielleicht liegt genau darin die Botschaft dieses Kirchtags. Kirche sind wir. Wir sind die Menschen, die glauben, zweifeln, hoffen, helfen, zuhören, teilen und miteinander unterwegs sind. Wir sind die „lebendigen Steine“ der Kirche. Und so können die vier Himmelsrichtungen zu einem persönlichen Kompass werden. Danken. Auf Gottes Wort hören. Füreinander da sein. Liebe teilen. Mit Jesus Christus in unserer Mitte und Gottes Segen über uns.

Dechant Andreas Tonka hat uns daran erinnert, was uns als Christinnen und Christen im Tiefsten verbindet. Wir alle sind Tempel Gottes.  Gott wohnt nicht nur in unseren Kirchen, sondern in jedem Menschen, dem wir begegnen. Wenn wir das ernst nehmen, dann dürfen Unterschiede bestehen, ohne zu trennen. Dann wird Vielfalt nicht zur Grenze, sondern zur Bereicherung.

Das „alte“ Grußwort „Grüß Gott“ bekommt dadurch seine ursprüngliche Tiefe zurück. Es bedeutet nicht nur eine Höflichkeit, sondern eine Haltung: „Ich grüße Gott in dir.“ Heute sagen wir, wenn wir einander begegnen, „Hallo“. Doch zwischen einem flüchtigen „Hallo“, einem herzlichen „Grüß Gott“ oder einem vertrauten „Griaß di“ liegen Welten. „Hallo“ ist praktisch. „Grüß Gott“ und „Griaß di“ erzählen dagegen von Verbundenheit und Herkunft. Das eine ist neutral, die andern ein kleines Stück Menschlichkeit.

Machen wir „Grüß Gott“ wieder zu mehr als einer Floskel. Machen wir den Gruß zu einer bewussten Haltung, die sagt „Ich sehe dich, ich achte dich und ich grüße Gott in dir.“ Denn wo ein „Hallo“ oft nur oberflächlich verbindet, kann ein „Grüß Gott“ zu einer tiefen, wertschätzenden Begegnung einladen.

Dieser Kirchtag hat gezeigt, was Kirche heute sein kann. Eine Kirche, die nicht nur in Mauern steht, sondern in Menschen lebt. Eine Kirche, die nicht trennt, sondern verbindet. Eine Kirche, die nicht nur nebeneinander, sondern füreinander da ist. Eine Kirche, die Gott nicht nur sucht, sondern in jedem Menschen erkennt.

So wurde dieser herbstliche Tag zu einem Fest des Glaubens, der Hoffnung und der Gemeinschaft und zu einer Einladung, diesen Geist weiterzutragen in unseren Alltag, in unsere Familien, in unsere Orte.